unsere suessen

Trostgeschichten


Trostgeschichten


Es war einmal eine sehr, sehr alte Seele, die sehr, sehr viele Menschenleben auf der Erde gelebt hatte und deren Dasein als Seele jetzt ebenfalls fast zu Ende war, ja, bald würde sie mit der EWIGKEIT verschmelzen und ein Teil davon werden.

Im Augenblick saß die alte Seele in der Leere zwischen ihrem letzten Menschenleben und ihrer künftigen VERSCHMELZUNG und fühlte sich ein wenig einsam. Ihre besten Freunde waren auf und davon, die alte Seele konnte sie unten auf der Erde sehen, wie jede von ihnen einen Menschen mit Eifer, Neugier und Staunen und den verschiedensten Gedanken erfüllte.

Ich will dorthin, sagte die alte Seele. Ich habe immer noch eine ordentliche Portion Freude übrig. Ich will dorthin und sie ihnen schenken.

Aber die Zeit, die dir vor der VERSCHMELZUNG bleibt, ist so kurz, warnte der WÄCHTER. Natürlich kannst du ihnen Freude schenken, aber wenn du nur so kurze Zeit bei ihnen bleibst, schenkst du ihnen zugleich eine große Trauer, wenn du sie verläßt.

Ich weiß, sagte die alte Seele. Aber ich will es trotzdem, Ich will ihnen so viel Freude schenken, dass sie ihnen danach über die Trauer hinweghilft.

Dann soll es so sein, wie du willst, sagte der WÄCHTER und schickte die sehr, sehr alte Seele los.

Daraufhin bekamen ein Mann und eine Frau auf der Erde ein Kind, das sie sich schon lange gewünscht hatten. Es war ein allerliebstes Kind, das ihnen vom Tag seiner Geburt an Freude bereitete, jene ungetrübte Freude, die die Menschen empfinden, wenn ihre Seelen einander begegnen und sich voller Entzücken aus der EWIGKEIT wiedererkennen.

Aber bleibt dir nicht nur wenig Zeit? flüsterte die Seele der Mutter der alten Seele in dem kleinen Mädchen zu.

Die Zeit ist kurz, aber die Freude ist groß, antwortete die alte Seele.

Und obwohl die Mutter dieses Gespräch nicht hörte, weckte das Geflüster eine ahnungsvolle Unruhe in ihr, einen Hauch des Wissens, dass wir nichts auf der Erde besitzen, einer den anderen nicht und nicht einmal uns selbst. Alles wird uns schließlich genommen werden, alles, was wir mit uns tragen, alle Lieben um uns herum, schließlich auch unser Leben und unser Körper.

Aber das Mädchen wuchs heran, und die Freude, die es verbreitete, war so groß, dass die Mutter diese Gedanken vergaß. Und der Vater freute sich ebenfalls. Ja, die sehr alte Seele durfte ihre letzte Zeit genauso verbringen, wie sie es sich gewünscht hatte.

Aber die Zeit war kurz, auch nach menschlichem Maß war sie kurz, und der Augenblick kam, da die VERSCHMELZUNG stattfinden würde. Die sehr, sehr alte Seele erhielt den Ruf, dass sie sich unverzüglich zur Zeremonie einfinden solle, und musste gehorchen.

Für die Menschen sah es so aus, als hätte ein plötzlicher Tod das Mädchen ereilt. Ihre Trauer war maßlos, genau wie der WÄCHTER es vorhergesagt hatte.

Und wo man früher die sehr, sehr alten Seelen ihr letztes Häppchen Zeit einfach in der Leere hat absitzen lassen, bürgerte sich von nun an in der EWIGKEIT die Sitte ein, dass die alten Seelen zu Menschen, die sie brauchten , geschickt wurden, um ihnen ihre letzte große Freude zu schenken. Die Freude gibt den Menschen die Kraft, die anschließende Trauer, die unausweichliche Trauer, zu ertragen und allmählich in etwas Gutes zu verwandeln.


(Ausschnitt aus dem Buch "Du fehlst mir, Du fehlst mir!" von Peter Pohl & Kinna Gieth)



Die Parabel von den Zwillingen



Es geschah, daß im Schoß einer Mutter Zwillingsschwestern empfangen wurden. Die Wochen vergingen, und die Mädchen wuchsen heran. In dem Maß, in dem ihr Bewußtsein wuchs, stieg ihre Freude.
“Sag, ist es nicht großartig, daß wir empfangen wurden? Ist es nicht wunderbar, daß wir leben?”
Die Zwillinge begannen, ihre Welt zu entdecken. Als sie aber die Schnur fanden, die sie mit ihrer Mutter verband und die ihnen die Nahrung gab , da sangen sie vor Freude:
“Wie groß ist die Liebe unserer Mutter, daß sie ihr eigenes Leben mit uns teilt!”
Als aber die Wochen vergingen und schließlich zu Monaten wurden, merkten sie plötzlich, wie sehr sie sich verändert hatten.
“Was soll das heißen?” fragte die Eine.
“Das heißt”, antwortete ihr die Andere, “daß unser Aufenthalt in dieser Welt bald sein Ende zugeht.”
“Aber ich will gar nicht gehen.”, erwiderte die Eine, “ich möchte für immer hier bleiben.”
“Wir haben keine andere Wahl”, entgegnete die andere, “aber vielleicht gibt es ein Leben nach der Geburt!”
“Wie könnte diese sein?” fragte zweifelnd die Erste, “wir werden unsere Lebensschnur verlieren, und wie sollten wie ohne sie leben können? Und außerdem haben andere vor uns diesen Schoß verlassen, und niemand von ihnen ist zurückgekommen und hat uns gesagt, daß es ein Leben nach der Geburt gibt. Nein, dies ist das Ende!”
So fiel die eine von ihnen in tiefen Kummer und sagte: ”Wenn die Empfängnis mit der Geburt endet, welchen Sinn hat dann das Leben im Schoß? Es ist sinnlos. Womöglich gibt es gar keine Mutter hinter allem.”
“Aber sie muß doch existieren”, protestierte die Andere, “wie sollten wir sonst hierher gekommen sein? Und wie könnten wir am Leben bleiben?”
“Hast du je unserer Mutter gesehen?” fragte die Eine. “Womöglich lebt sei nur in unserer Vorstellung. Wir haben sie uns erdacht, weil wir dadurch unser Leben besser verstehen
können.”
Und so waren die letzten Tage im Schoß der Mutter gefüllt mit vielen Fragen und großer Angst.
Schließlich kam der Moment der Geburt.
Als die Zwillinge ihre Welt verlassen hatte, öffneten sie ihre Augen.
Und was sie sahen, übertraf ihre kühnsten Träume.






Sternenkindertraumland

Die Sternenkinder waren heute ein wenig traurig. Da hatten sie so lange darum gebeten einmal einen kurzen Blick auf die Erde werfen zu dürfen und als es Ihnen gewährt wurde konnten sie die von ihnen so sehr geliebten Gesichter ihrer Erdeneltern in solcher Trauer sehen, dass es ihnen ganz schwer um die kleinen Herzen wurde. "Was sollen wir nur machen?" fragte ein kleiner bezaubernder Junge in die Runde! Alle hatten sich unter einen großen, bunt blühenden Schmetterlingsbaum gesetzt und überlegten. "Wir müssen Ihnen irgendwie sagen wie lieb wir sie haben und dass wir sie fest in unseren Herzen tragen" flüsterte ein Mädchen mit einer Stimme wie helles Glockenläuten "Und das wir wissen das sie uns immer lieben! ".
"Aber wie?" fragten sie sich alle "Sie denken so fest an uns und sind mit Ihren Gedanken immer bei uns, aber diese Gedanken und die Trauer nehmen Sie völlig ein so dass kein Platz bleibt unsere Gedanken und Traumworte zu verstehen."
Ein Mädchen, schön wie eine kleine Elfe weinte ein bisschen "Ich habe meine Mami und meinen Papi doch so lieb und ich möchte so gerne, dass sie wissen das es mir gut geht hier bei Euch - meinen Sternengeschwistern - in unserem Sternentraumland." Sie blickte sich um und sagte "Wenn Sie nur sehen könnten wie schön es hier ist! Wenn Sie nur wissen könnten, dass jede Träne die sie um uns weinen eine der wunderschönen, roten Rosen hier wachsen lässt" Die Kleine streichelte liebevoll eine der satten, vollen Rosenblüten "Wenn wir ihnen nur sagen könnten, dass jeder Traum den sie von uns Träumen einen neuen, glitzernden, warmen See entstehen lässt der aussieht wie der reinste Edelstein! Das jeder Gedanke den Sie an uns richten die Sonne ein klein bisschen heller und wärmer scheinen lässt und einen Sonnenstrahl gebärt!"

Sie seufzte "Das würde ich mir wünschen " "Doch wie sollen wir es Ihnen sagen" rief ein Junge. Doch dann lächelte er "Ich weiß wie" und alle rutschten ein klein wenig näher zusammen und er erzählte ihnen von seinem Plan "Wir müssen jemanden finden der ein offenes Herz für uns hat und der an uns glaubt. Jemanden der uns lieben könnte obwohl er uns nicht kennt! Dieser Jemand darf aber die schlimme Erfahrung die unsere geliebten Erdeneltern machen mussten, nicht erlebt haben denn sonst überwiegt wieder die Trauer und wir werden nicht gehört! Das ist mein Plan"
Er blickte beifallsuchend in die Runde der Sternenkinder, aber der gewünschte Applaus blieb leider aus. "Das wird aber soooo schwierig" "Wo sollen wir einen solchen Menschen finden?" "Viele auf der Erde denken doch sogar wir wären noch nichtmal richtige Kinder!"

"Die meisten verschließen sich vor den Gedanken an uns und würden am liebsten leugnen dass so etwas sein kann" "So jemanden finden wir nie" Alle riefen durcheinander und es war ihnen anzusehen, dass sie nicht ganz an das Gelingen des Plans glaubten!
Ein Junge der schon etwas grösser war als die anderen und mit seinen himmelblauen Augen, den Sommersprossen auf der Nase und den kreuz und quer verwuschelten Haaren aussah wie der liebste Spitzbub den man sich vorstellen kann rief "Lasst es uns doch wenigstens versuchen! Wir sind doch nicht so wie die vielen Erdenmenschen die an nichts mehr glauben! Wir glauben doch an unsere lieben Eltern! Ich bin sicher wir werden jemanden finden! Ganz bestimmt" Auch das elfengleiche Mädchen wischte sich die Sternschnuppentränchen aus den Augen und rief "Ja...lasst es uns versuchen" Die Sternenkinder flogen mit den großen, bunten Schmetterlingen zu Ihren Sternen und schickten sich an die Menschen zu beobachten um jemanden zu finden der auf sie hören würde und Ihren Eltern eine Botschaft von Ihnen überbringen könnte!


Sehr lange saßen sie auf ihren Aussichtsplätzen und beobachteten die Welt! Was sie sahen machte sie mehr als einmal mutlos! "Es scheint als wäre die Erde von ignoranten, gefühllosen Menschen ohne jegliches Gespür bevölkert" dachte sich der süsse Spitzbub der die Idee verteidigt hatte "Vielleicht hatten die anderen doch recht?" seufze er. "Aber es muss doch noch einen Menschen geben der außer unseren Eltern, Omis und Opis und Geschwistern an uns denkt" Sein Blick folgte einem Sonnenstrahl bis er auf der Erde auftraf und sein Herz hüpfte vor Freude! Der Sonnenstrahl fiel direkt durch ein Bürofenster und an einem Schreibtisch sah er eine junge Frau an ihrem Computer sitzen.
Der Junge fühlte sich sofort zu Ihr hingezogen, wollte sie aber noch eine Weile beobachten bevor er es den anderen sagen wollte um sicher zu gehen, dass sein Gefühl richtig war. Die Frau schaute mit tränenblindem Blick auf den Monitor und der Junge rutschte auf dem fünften Zacken seinen Sterns ganz nach vorne um sehen zu können was die Frau so traurig machte. Was er sah ließ ihn erschauern, die Frau schaute sich ein Bild eines Babys an! Und ? das war unglaublich ? das Baby war er! Die Frau schaute sich gerade seine Homepage an, die die Erdeneltern des Jungen liebevoll für ihn angefertigt hatten. Er sah wie sie immer noch weinte und mit dem Zeigefinger vorsichtig über sein Bild am Monitor strich, er konnte Ihre Berührung spüren wie sie ihm leicht an der Nase stubste und sein Gesicht streichelte.
Er merkte, dass die fremde Frau ihm ganz nahe war. "Das ist sie" jubelte er "Ich habe Sie gefunden! Sie ist genau die Richtige" Aufgeregt schickte er seinen Sternenschmetterling zu allen den kleinen leuchtende Sternchen um die anderen Kinder zu benachrichtigen und so trafen sie sich kurz darauf wieder unter dem großen Schmetterlingsbaum der niemals seine Blüten verlor und der Junge erzählte den Sternenkindern von der Frau und dass er ganz deutlich spüren konnte dass sie liebevoll an ihn und alle Sternenkinder dachte obwohl sie sie nicht kannte! "Das ist ja wundervoll! Sie muss es sein" rief ein Mädchen und lachte ein glockenhelles Lachen, so glücklich war sie! Plötzlich war alles ganz einfach und jeder wusste was er zu tun hatte!
Sie setzten sich alle im Kreis und fassten sich an den Händen! Da lagen kleine in grossen Händen, weiße Hände in schwarzen und Mädchenhände in denen der Jungen! Ein Gefühl der Ruhe und der großen Freude durchdrang sie als sie die Augen schlossen und alle Ihre Gedanken, Ihre Träume und Ihre Worte an die geliebten Eltern an die fremde Frau schickten! Ich sass gestern nach einem Tag voller Gedanken an die Sternenkinder zu Hause und beobachtete meine Sternenkinderkerze die ich gerade in liebevollem Gedenken an Kinder die ich nicht kannte angezündet hatte. Plötzlich überkam mich ein Gefühl der Leichtigkeit und des Glücks. Ich schloss die Augen und überließ mich diesem Gefühl völlig und wünschte das es nie aufhören möge!
Ich hörte Kinderstimmen rein und klar wie ein Bergsee, ich hörte Kinderlachen das glockenhell in meine Seele drang und ich hörte zu! Lange hörte ich zu und heute schreibe ich die Geschichte auf! Liebe Sternenkindereltern, Eure Kinder sind immer in und um Euch und sie lieben Euch von ganzem Herzen! Sie spielen auf blühenden, bunten Wiesen fangen! Die schwimmen in silbernen Seen und essen die süssesten Früchte! Sie haben den Regenbogen für Ihre Rutschpartien und sie jagen den Sonnenstrahlen nach! Jede eurer Tränen lässt eine rote Rose erblühen die Eure Kinder mit ihrer Schönheit und ihrem Duft erfreut! Jeder Traum den Ihr von Euren Kindern träumt erschafft einen klaren, im Sonnenlicht funkelnde See in dem Eure Kinder die Füsse baumeln lassen und Papierschiffe segeln lassen! Jeder eurer Gedanken an sie lässt die Sonne für Eure Kinder noch ein wenig wärmer und goldener scheinen und neue Sonnenstrahlen entstehen die sie an den Näschen kitzeln! Die Luft die eure Kinder atmen ist erfüllt von Ihrem glücklichen Lachen! Große, bunte Schmetterlinge sind Ihre Gefährten und tragen sie jubelnd durch die Lüfte! Sie schlafen auf Ihren Sternchen und lassen sich von dem warmen Licht einhüllen und eure Träume sind ihr Schlaflied!

Eure Sternenkinder sind im Sternenkindertraumland und lieben Euch von ganzem Herzen!

Geschrieben von Andrea Metzger im Juli 2001





Sternenkindertraumland II

(Fortsetzung)

„Die Geschichte ist wieder vergessen!“ rief der kleine Junge mit den süssen Sommersprossen den anderen zu! „Ich habe es heute gespürt, viele unserer Mamis sind so tief traurig heute und denken nicht mehr daran das wir alle zusammen hier im Sternenkindertraumland spielen, auf dem Regenbogen rutschen, unsere Füsse in klaren Seen baden und auf leuchtenden Sternchen schlafen!“ Alle Sternenkinder sassen wieder unter dem blühenden und duftenden Schmetterlingsbaum zusammen und machten sich Sorgen um Ihre Erdeneltern. „Meine Mami hat heute Geburtstag und da soll sie doch lachen, singen und tanzen und glücklich sein! Aber sie ist traurig weil ich nicht bei ihr sein kann!“ Das Kind schaute aus seinen leuchtenden Sonnenaugen die anderen fragend an. „Ja“ seufzten zwei weitere Mädchen „Heute vor zwei Jahren wusste ich plötzlich daß ich nicht bei meiner Mami bleiben kann, sondern das ihr im Sternenkindertraumland auf mich wartet“ flüsterte das jüngere der wunderschönen Mädchen, denen man genau ansehen konnte das sie Geschwister waren „Ich wollte sie damit aber doch nicht traurig machen, ich durfte ihr so viel Freude schenken, ich war bei ihr und sie hat mich gefühlt und geliebt! Damit wollte ich sie doch glücklich machen und trotzdem ist sie so unsagbar traurig!“ Das grössere der Mächen hielt das Kleine ganz fest im Arm und streichelte ihr über das seiden glänzende Haar! „Komm, komm liebe kleine Schwester nicht weinen, wir werden schon einen Ausweg finden!“ „Unserer Mami geht es auch nicht gut! Das konnten wir von unserem Sternchen aus sehen! Wir möchten sie so gerne einmal glücklich lachen sehen!“ Zwei herzallerliebste Mädchen die sich glichen wie eine Rosenblüte im Sternenkindertraumland der anderen, schauten traurig aus den glänzenden Kulleraugen „Sie versucht ja ganz feste damit klar zu kommen, daß wir schon so früh ins Sternenkindertraumland gegangen sind!“ „Aber sie ist so stark und sie gibt sich viel Mühe ihr Leben zu meistern!“ flüsterte die Kleine „Manchmal muss ich sogar ein bischen über sie lachen! Sie macht ab und an so komische Verrenkungen! Yoga nennt sie das, aber ich glaube das tut ihr sehr gut und deshalb bin ich stolz auf sie, daß sie sich so doll verbiegen kann!“ Die Kinder waren still und jedes von Ihnen dachte an seine Eltern und daran, daß alle der Geliebten darüber so tief traurig waren daß sie, als Ihre Kinder, im Sternentraumland waren!
„Was ist mit der Frau am Computer“ fragte ein kleiner Junge „Kann sie uns nicht helfen?“ „Doch das kann Sie, aber Sie kann unseren liebsten Eltern nur mitteilen auf was Sie achten sollen und sie daran erinnern trotz Ihrer Trauer um uns die Augen und Ihre Herzen für unsere Botschaften offen zu halten!“ erklärte der Junge der einst die Frau am Computer entdeckte, als die Sternenkinder jemanden finden mussten der liebevoll an sie denkt, aber nicht durch den Schmerz um den Verlust fast verrückt wurde! Ein elfengleiches Mädchen, kaum grösser als 50 cm aber durch und durch wunderschön und perfekt spielte gedankenverloren mit einem Sonnenstrahl der sich im Glanz ihres Haares brach und dadurch plötzlich auf die Erde geleitet wurde und dort durch die Wolken sichtbar war! „Das ist es doch“ rief sie aufgeregt „Wir Sternenkinder schicken unseren lieben Eltern Zeichen von hier! Jeder von uns ein Zeichen und die Frau am Computer muss es ihnen sagen, daß sie darauf achten sollen“! sie war ganz aufgeregt „Was sagt ihr dazu?“ fragend sah sie in die Runde. Die beiden engelsgleichen Zwillingsmädchen strahlten, das kleine Schwesterchen drückte ihre grosse Schwester ganz aufgeregt, die Augen des Kindes mit den Sonnenaugen strahlten noch ein bischen heller und alle Sternenjungen und Sternenmädchen fanden diesen Vorschlag wunderbar!
Sie setzten sich im Kreis um ihren Schmetterlingsbaum und fassten sich an den Händen! Und wieder einmal lagen da kleine in grossen Händen, weiße Hände in schwarzen und Mädchenhände in denen der Jungen! Ein Gefühl der Ruhe und der großen Freude durchdrang sie als sie die Augen schlossen und jedes Kind schickte etwas an seine geliebten Eltern! Eines schickte eine kleine, weisse Wolke die wie Wattepausch über den Himmel schaukelt! Ein anderes schickte reine, klare, kühlende Regentropfen die wie Edelsteine waren! Wieder ein anderes Sternenkind schickte einen wunderschönen Schmetterling der wie ein Tänzer elegant durch die Lüfte schwebt! Ein weiteres schickte einen Baum der seine Zweige ausstreckt um die Trauernden schützend zu umarmen! Eines schickte grünes, saftiges Gras, das an den Füssen kitzelt wenn man barfuß darüber tanzt! Ein Kind schickte Wind, der einmal sanft durchs Haar streicht um zu trösten und ein anderes mal erfrischend und jubelnd über die Berge und Ebenen pfeift! Ein anderes Kind schickte einen Vogel, der singend und pfeifend jeden erfreut! Jedes Kind dachte mit Liebe an seine Eltern und schickte etwas auf die Erde, das sie erfeuen sollte und das sie daran erinnern sollte das ihre Kinder sie liebten und sie immer in Ihrem Herzen trugen!

Geschrieben von Andrea Metzger





Der Schmetterling



In den ersten Tagen des November entdeckte ich auf den Grünpflanzen, die sich noch auf dem Balkon befanden, einen Schmetterling. Es war ein Pfauenauge, seine schönen Flügel leuchteten in vielen Farben. Ich wunderte mich über den verspäteten Gast aus sommerlichen Tagen.

Noch erstaunter war ich, ihn immer noch dort zu finden, als ich wegen bevorstehender Nachtfröste den Balkon abräumen wollte. Ich begrüßte ihn schon wie einen guten Freund, und da er keine Anstalten machte wegzufliegen, nahm ich ihn mit den Pflanzen ins Haus, um ihn nicht draußen erfrieren zu lassen. Dann dachte ich nicht mehr an ihn, in der Gewissheit, ihn irgendwann tot aufzufinden.

Aber zu meiner Freude zeigte er mir in den nächsten Tagen durch heftiges Flattern am Fenster an, dass er noch am Leben war.

Nun war mein Interesse geweckt, und ich las in einem Schmetterlingsbuch, dass das Pfauenauge zu den Tagfaltern gehört, die in einem starren, schlafähnlichen Zustand im Haus überwintern können. Mit den ersten Sonnenstrahlen erwachen sie wieder, sie stärken sich am Nektar der Frühlingsblumen, gaukeln im Sommer von Blüte zu Blüte, bis sie sich einen Partner suchen um sich zu paaren. Das Weibchen legt seine Eier an die Blätter einer Brennessel, von der die ausgeschlüpften schwarzen, behaarten Räupchen sich ernähren. Sie müssen sich viermal häuten, bis sie sich zur Puppe in einen Chitinpanzer ein-spinnen, in welchem sie zum Schmetterling heranreifen. Wenn dann endlich der farbenfrohe Falter , zur Welt gekommen ist, beginnt der Kreislauf von neuem.

Welch eine Metamorphose vollzieht sich an diesen geheimnisvollen Geschöpfen!

So ist es verständlich, dass sie von jeher eine mystische Bedeutung für die Menschen hatten. Schon für die alten Griechen waren sie das Symbol der Psyche und der Seele.

In China und Japan erzählt sich das Volk wunder-same Schmetterlingsgeschichten, in denen die Verstorbenen in Faltergestalt wiederkehren.

Und Buddha dankte in seiner letzten Predigt vor dem Tode den Schmetterlingen, dass sie ihn das Geheimnis der Verwandlung und das Gleichnis der Wiedergeburt zu einer höheren Lebensform gelehrt hatten. Für ihn stieg der von der irdischen Hülle befreite Schmetterling gleich der geklärten Seele des Menschen in die Lichtwelt auf um einzugehen in den ewigen Frühling.

Nachdem ich das alles erfahren hatte, bekam die Begegnung mit meinem Pfauenauge eine ganz neue Bedeutung für mich.

In der tiefen Trauer um meinen im Sommer verlorenen Sohn bewegten mich so oft Gedanken, ob ich ihn immer hatte spüren lassen, wie lieb ich ihn hab'. Aber ich war sicher, dass er mir irgendwann ein Zeichen geben würde, das mir meine Zweifel nehmen könnte.

War nun dieser Schmetterling der Überbringer der Botschaft? War in seiner Gestalt die Seele des Verstorbenen heimgekehrt? Nur zu gern ließ ich meine wehmütige Stimmung in diesen trüben Wintertagen durch dieses kleine vermeintliche Mysterium aufhellen. Alle Trauernden dieser Welt sind empfänglich dafür.

Von nun an war mein Schmetterling ein treuer Begleiter durch die kommenden Wochen.

Am Morgen suchte ich nach ihm und war froh, wenn er mir nach leisem Anhauchen durch sanftes Flügelschlagen anzeigte, dass er lebte. Dann setzte ich ihn auf die Fensterbank, wo ich für ihn einige Wassertropfen versprüht hatte.

Weil ich gelesen hatte, dass sie das reife Fall-obst lieben, legte ich ihm bald ein Stückchen Apfel dazu, an dem er stundenlang mit seinem langen dünnen Saugrüssel den süßen Saft aufnahm. Als abends das Licht brannte, kam er, wohl die Sonne suchend, angeflogen. Er setzte sich auf meinen Schuh und dann sogar - was ich staunend verfolgte - an Karsten's Bild, wo er lange blieb. Ich hatte mich schon sehr daran gewöhnt, dass er bei mir war und fühlte mich ganz stark mit meinem Sohn verbunden, wenn ich mit ihm sprach. Die Sorge, dass er mich eines Tages würde verlassen müssen, hatte ich völlig verdrängt.

In der 2. Adventswoche flog er eines Nachmittags auf meine Hand, krabbelte lebhaft hin und her und schlug mit den Flügeln, so dass ich noch einmal ihre wunderschöne Zeichnung sehen konnte.

Dann setzte er sich an die Gardine und ließ sich von der Sonne bescheinen. Dort saß er auch noch am Abend, den Apfel hatte er heute verschmäht. Am nächsten Morgen fand ich ihn regungslos auf dem Teppich sitzend, kein Anhauchen ließ ihn erwachen, und mit großer Bestürzung glaubte ich, dass er nun tot sei. Weinend setzte ich ihn vorsichtig auf ein Blütenblatt des Weihnachtssterns, wo er mit eingezogenen Beinen aufrecht sitzen blieb. Aber seine langen feinen Fühler waren immer noch ausgestreckt, und plötzlich wurde mir zu meiner Erleichterung klar, dass er nun in die Erstarrung des Winterschlafes gefallen sein musste. Er war nicht gestorben, er schlief ja nur, und ich konnte auf ein Wunder an einem fernen Frühlingstag hoffen, an dem er wieder erwachen und mich mit seinem Flügelschlagen begrüßen würde.

Lieber Schmetterling, Du bist zu mir gekommen wie ein Bote aus einer anderen Welt, Du hast mir den Glauben geschenkt, dass kein Lebewesen für immer verloren sein kann.

Es gibt ein Weiterleben, in neuer Gestalt und in einer anderen Welt, wohin wir Lebenden nicht folgen können.

Aber die Seele unserer Lieben bleibt für immer bei uns.

Ich danke Dir, mein lieber Schmetterling, Du schönes Pfauenauge.

Im Dezember 2002 Ursula Meiners









 
[ Besucher-Statistiken *beta* ]